
Wird die Gewerbesteuer ab 2027 erhöht?
Mögliche Auswirkungen auf Firmensitze in Grünwald – Interview mit Britt Heudorf
Die geplante Gewerbesteuer-Erhöhung ab 2027 sorgt bundesweit für Diskussionen – insbesondere in Gemeinden mit bislang niedrigen Hebesätzen wie Grünwald bei München. Ein vom Bundeskabinett beschlossener Gesetzentwurf sieht vor, den Mindesthebesatz der Gewerbesteuer von derzeit 200 auf 280 Prozent anzuheben. Diese mögliche Regelung würde erstmals für den Erhebungszeitraum 2027 gelten.
Nach Angaben des Bundesfinanzministeriums unter der Leitung von Lars Klingbeil sollen mit dieser Maßnahme vor allem rein steuerlich motivierte Sitzverlagerungen eingedämmt werden. Der Münchner Merkur hat hierzu bei Firmensitz Grünwald angefragt und mit Britt Heudorf, Expertin für virtuelle Firmensitze und Unternehmensansiedlungen im Großraum München, gesprochen.
Gewerbesteueränderung in Sicht?
Das Bundeskabinett hat einen Gesetzentwurf beschlossen, der eine bundesweite Anhebung des Mindesthebesatzes der Gewerbesteuer auf 280 Prozent vorsieht. Ziel ist es laut Ministerium, Gemeinden mit sehr niedrigen Hebesätzen weniger attraktiv für rein formale Unternehmensverlagerungen zu machen.
Gerade Standorte wie Grünwald im Süden von München, die bislang für einen vergleichsweise niedrigen Gewerbesteuerhebesatz bekannt sind, stehen dabei besonders im Fokus der öffentlichen Debatte.
Gewerbesteuer Grünwald: Welche Auswirkungen hat der Mindesthebesatz auf Ihr Geschäftsmodell?
Britt Heudorf:
Ich gehe nicht davon aus, dass sich die Anhebung des Mindesthebesatzes spürbar auf unser Geschäftsmodell auswirkt. Sollte der Satz von 280 Prozent künftig bundesweit die Untergrenze darstellen, werden sich Unternehmen weiterhin an den Gemeinden mit den niedrigsten Hebesätzen orientieren.
Unsere Kunden entscheiden sich jedoch nicht ausschließlich wegen der Gewerbesteuer für Grünwald bei München. Ausschlaggebend ist vielmehr die Kombination aus repräsentativem Standort, unmittelbarer Nähe zur Landeshauptstadt München und einer professionellen, rechtssicheren Infrastruktur. Diese Standortvorteile bleiben auch bei einer Anpassung des Hebesatzes bestehen.
Nachfrage nach virtuellen Firmensitzen trotz Gewerbesteuer-Erhöhung
Rechnen Sie mit Veränderungen der Nachfrage nach virtuellen Firmensitzen?
Britt Heudorf:
Aus meiner aktuellen Marktwahrnehmung rechne ich nicht mit einer spürbaren Veränderung der Nachfrage infolge der Gesetzesänderung. Virtuelle Firmensitze sind heute ein etablierter und anerkannter Bestandteil moderner Unternehmensstrukturen, sowohl für Start-ups als auch für mittelständische und internationale Unternehmen.
Hinzu kommt, dass Grünwald deutschlandweit einen exzellenten Ruf als hochwertiger Wirtschaftsstandort im Münchner Umland genießt. Unternehmen profitieren hier von professionellen Rahmenbedingungen, einer starken regionalen Vernetzung und einer sehr hohen Standortqualität.
Steuergerechtigkeit und Standortattraktivität – eine Einordnung aus der Praxis
Das Finanzministerium spricht von mehr Steuergerechtigkeit. Teilen Sie diese Einschätzung?
Britt Heudorf:
Aus meiner Sicht greift diese Begründung zu kurz. Von echter Steuergerechtigkeit könnte man nur sprechen, wenn deutschlandweit ein einheitlicher Gewerbesteuersatz gelten würde – was aus praktischen und föderalen Gründen kaum umsetzbar ist.
Die geplante Regelung verschiebt lediglich die Untergrenze, ohne die strukturellen Unterschiede zwischen den Kommunen aufzulösen. Gerade wirtschaftlich schwächere Gemeinden mit Hebesätzen von teils über 550 Prozent profitieren davon kaum, da sich ihre Standortattraktivität dadurch nicht verbessert.
In der Praxis erleben wir, dass Standortentscheidungen zwar auch steuerlich motiviert sind, aber stets auf einer Vielzahl betriebswirtschaftlicher Faktoren beruhen – etwa Infrastruktur, Erreichbarkeit, Image und Rechtssicherheit.
Gewerbesteuer 2027: Risiken für KMU und den Wirtschaftsstandort Deutschland
Sehen Sie Risiken für kleinere und mittelständische Unternehmen?
Britt Heudorf:
Ja, dieses Risiko sehe ich durchaus. Viele kleine und mittelständische Unternehmen stehen bereits heute unter erheblichem Druck durch steigende Kosten, Bürokratie und wirtschaftliche Unsicherheiten.
Wenn steuerliche Gestaltungsspielräume weiter eingeschränkt werden, ohne gleichzeitig strukturelle Entlastungen zu schaffen, kann das den finanziellen Druck weiter erhöhen. Für manche Unternehmen war die Wahl eines günstigeren Standorts ein legitimer Weg, um wettbewerbsfähig zu bleiben oder Arbeitsplätze zu sichern.
Gerade im internationalen Vergleich sendet die Maßnahme aus meiner Sicht kein positives Signal für den Wirtschaftsstandort Deutschland. In einer zunehmend mobilen Wirtschaft könnten sich Unternehmen verstärkt nach Alternativen im Ausland umsehen.
Firmensitz Grünwald: Warum der Standort mehr ist als nur ein Hebesatz
Welche Faktoren sind für Ihre Kunden neben der Gewerbesteuer entscheidend?
Britt Heudorf:
Neben dem Hebesatz spielen für unsere Kunden vor allem eine renommierte Geschäftsadresse, die hohe Standortqualität Grünwalds sowie flexibel nutzbare Firmensitz- und Bürolösungen im Großraum München eine zentrale Rolle.
Unser Angebot setzt bewusst auf persönliche Betreuung, Substanz und Qualität. Damit grenzen wir uns klar von rein preisgetriebenen Anbietern ab. Die geplante Gesetzesänderung sehen wir daher eher als strategische Chance: Sie stärkt hochwertige, seriöse Standortkonzepte und unterstreicht, dass nachhaltige Unternehmensansiedlungen weit mehr sind als die Suche nach dem niedrigsten Steuersatz.
Zur Person
Britt Heudorf ist Geschäftsführerin des Firmensitz Grünwald und zählt zu den führenden Expertinnen für Unternehmensansiedlungen, virtuelle Firmensitze und strategische Geschäftsadressen im Großraum München. Seit vielen Jahren begleitet sie nationale und internationale Unternehmen bei der Wahl, Verlagerung und Etablierung ihres Firmensitzes in Deutschland.
Ein wesentliches Alleinstellungsmerkmal ist ihr exzellent aufgebautes Netzwerk aus spezialisierten Steuerberatern, Notaren und Rechtsanwälten, das sie gezielt einbindet, um ihren Kunden ganzheitliche, rechtssichere Lösungen aus einer Hand zu ermöglichen.

05.02.2026
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